In der kompositorischen Arbeit mit Computeralgorithmen ist mir besonders der experimentelle Aspekt wichtig -
weder die Umsetzung abstrakter Konzepte noch die Annäherung an vorhergehende klangliche Vorstellungen.
Man wird dabei mit Resultaten konfrontiert, an denen man sofort weiterarbeiten möchte,
auch gegen die ursprünglichen Überlegungen. Als Konsequenz habe ich mich für eine
Vorgangsweise entschieden, bei der ich mich genau auf diese Flexibilität einlassen möchte
und die Planung sich auf die experimentellen Rahmenbedingungen beschränkt.
In der Reihe Lokale Orbits bilden Instrumentalklänge, Aufnahmen mit den beteiligten MusikerInnen,
den Ausgangspunkt. Granularsynthese - genauer: Buffergranulation, die Zusammensetzung
von Klängen aus kleinsten Partikeln eines Basisklangs - erlaubt eine riesige Bandbreite
klanglicher Ergebnisse, ermöglicht einen graduellen Übergang von (realen) Instrumentalklängen
in den elektronischen Raum und bietet sich daher für "gemischte" Besetzungen an.
Im Laufe der Reihe habe ich versucht, Syntheseprozesse im Hinblick auf klangliche Vielfalt zu variieren.
In Solo 3 werden die statistische Steuerung granularer Wolken, rhythmisierte Granularschichten
und die Oszillation zwischen pulsierender (d.h. von Mikropausen durchsetzter) und nichtpulsierender
Granulation miteinander kombiniert.
Den Kompositionsvorgang so zu strukturieren bedeutet meiner Ansicht nach keinen Verzicht
auf historisch-dialektisches Denken. Der Bezug zum historisch Vermittelten
ist allgegenwärtig und fordert jeweils individuelle Entscheidungen -
ich möchte mir dabei die Freiheit nehmen, bekannte Relationen
(z.B. einfache Intervalle und Fortschreitungen) unter mikroskopischen
und makroskopischen Veränderungen neu wahrzunehmen.
Das Projekt wurde mit Unterstützung des Giga-Hertz-Produktionspreises
am ZKM Karlsruhe realisiert.